Umzug für Fortgeschrittene

Unterwegs mit vier je 70 Tonnen schweren Stanzautomaten im Automobilwerk Sindelfingen

Datum: 10/12/2014 11:58am
Kategorien: Maschinenverlagerung
Umzug für Fortgeschrittene

Der Daimler-Standort Sindelfingen ist das traditionsreichste Fahrzeugwerk der Daimler AG und im globalen Produktionsnetzwerk von Mercedes-Benz Cars das Kompetenzzentrum für Personenwagen der Ober- und Luxusklasse. Anders ausgedrückt: heiliger Boden. Hier hat Presstec vier großen Stanzautomaten eine neue Heimat gegeben. Die jeweils 70 Tonnen schweren Maschinen sollten an anderem Standort ihren Dienst verrichten und dort täglich bis zu 250 000 Teile produzieren. Hintergrund der Verlagerung, so munkelt man im Werk, seien Vorbereitungen für den Bau einer überarbeiteten Klasse. „Warum unser Kunde die Stanzautomaten umziehen lassen möchte, ist nicht unser Thema“, sagt Projektleiter Viktor Wagner und guckt streng. „Wir haben uns als Generalunternehmer für Daimler darauf konzentriert, dass alles pünktlich und reibungslos über die Bühne gegangen ist, denn diese Stanzautomaten sind für die Produktion weltweit wichtig. Niemals dürften zwei Maschinen zur gleichen Zeit ausfallen oder umziehen.“

Die vier Stanzautomaten sind zwischen 1995 und 2003 gebaute Anlagen von Müller-Weingarten mit Presskräften zwischen 320 und 440 Tonnen. Neben der eigentlichen Presse musste auch die komplette Peripherie in Halle 15 umziehen: die Bandanlage mit Haspel, Richtmaschine und Bandzuführung, die Schallschutz-Kabine sowie verschiedene Aggregate. Aufgabe von Presstec war zudem das Anfertigen und Verlegen der Fahrschienen für die Werkzeugwechselwagen sowie das Anbringen der Fundamentplatten. Im Rahmen der Maschineninstallation und Remontage mussten die Automaten mittels Rutschen an das Schrottfördersystem im Untergeschoss angeschlossen werden und es brauchte neue Kabeltrassen. Zudem lieferte Presstec eine Kompressorstation und die Druckluftversorgung für die Pressen.

„Der Transport an sich war gar nicht die große Herausforderung“, sagt Projektleiter Wagner. „Wir hatten das Glück, dass das Hallendach hoch genug war, und mit der Firma Riedl & Tschierschke einen sehr kompetenten Partner an unserer Seite. Wenn so eine 70 Tonnen schwere Presse erst einmal sicher auf ihrem Tieflader ruht, reicht ein guter Gabelstapler, um die Presse an ihren neuen Standort zu bringen. Außerdem haben wir bei den ersten beiden Automaten noch direkt neben der Fahrstraße gearbeitet und mussten nicht groß rangieren.“ Zuvor hatten sich die Mitarbeiter von Presstec um die Demontage der Peripherie gekümmert und den Aufbau der beiden Portalkräne genau geplant. „Hier sind die Kräne aufgebaut und ausgerichtet. Von diesem Moment an dauert es zwei Tage, einen Stanzautomaten auf die Seite zu legen“, verrät Viktor Wagner und lächelt beim Durchschauen der Fotos. „Wir haben die Stanzautomaten langsam und vorsichtig umgelegt. Abgelegt wurde die Presse auf dem massiven Pressenrahmen, so dass sie keinen Schaden nehmen konnte.“

Nach dem kurzen Weg durchs Werk übernahm Presstec gemeinsam mit den Spezialisten der Firma Riedl & Tschierschke auch das Aufstellen der Maschinen am neuen Standort. Das Fundament für die neuen Stanzautomaten war von Daimler bereits vorbereitet worden. Das Aufstellen per Kran, die Inbetriebnahme und die Sicherheitsabnahme der vier Meter breiten und sechs Meter hohen Automaten liefen danach ebenso reibungslos wie zuvor die Demontage.
„Das verdanken wir auch der guten Projekt-arbeit von Presscontrol und Herrn Pfaff, sowie unseren Baustellenleitern vor Ort, Herr Jost und Herr Förster, die immer den Überblick hatten“, sagt Viktor Wagner. „Für den Umzug und die Inbetriebnahme so großer Maschinen sind sechs Wochen durchaus ambitioniert und es ist wichtig, dass auch auf Kundenseite sehr kompetente Menschen involviert sind.“

Die gute Zusammenarbeit hat natürlich auch handfeste Gründe: Presstec war es gelungen, die Produktion im Werk zu keinem Zeitpunkt zu stören. Das war eine der zentralen Anforderungen von Daimler. „Wenn in zwei Stunden die nächsten Coils geliefert werden, muss man mit unseren Sachen bis dahin aus dem Weg sein“, sagt Viktor Wagner. „Entsprechend wichtig war es, unsere Arbeiten exakt abzustimmen und einen genauen Zeitplan zu haben.“

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